Du oder Sie in Social Media

Was hat das mit Unhöflichkeit und Respekt zu tun?

So, da stehe ich nun: voller Elan am Anfang meiner angedacht qualifizierten Social-Media Aktivitäten!

Die ersten Hürden sind genommen: Xing und Linkedin nutze ich schon lange, um mit Kontakten Verbindung zu halten. Die Facebook-Seite ist inzwischen auch eingerichtet, allerdings noch nicht aktiv geschaltet. Denn irgendetwas hemmt mich seit Monaten, in virtueller Welt persönliche Gedanken zu teilen.

Von freiberuflichen Kolleg*innen erhalte ich viele Anregungen zu Themen die sie ebenso wie mich umtreiben und habe dazu Beiträge im Kopf.

Der Bedarf ist also da, nur mit der Veröffentlichung außerhalb der eigenen Website tue ich mich noch etwas schwer. Jetzt packe ich die Gelegenheit beim Schopf und schreibe darüber, weshalb das so ist und wie ich heute meine persönliche Lösung dafür gefunden habe.

 

Rezo stört plötzlich und schießt mit seiner Kolumne in der Zeit genau bei mir ins Ziel!

„In sozialen Medien ist das Du die Standard-Anrede. Doch erschreckend viele User respektieren das nicht. Das ist mehr als nur etwas weird. Es ist grob unhöflich.“

Hier gibt es die Kolumne vom 28.01.2020.

 

Ich und grob unhöflich? Wie konnte mir das nur passieren?

Ja, ich weiß: Unwissenheit schützt vor Schaden nicht. Und plötzlich geht es um (m)ein selbstgemachtes Dilemma! Gleichzeitig wird mir bewusst, weshalb ich die Veröffentlichungen bisher so zaghaft angegangen bin. Denn genau das ist mein Thema: duzen oder siezen? Mache ich mir hier eigentlich zu viele Gedanken oder ist es eine Frage der Generation?

 

Back to my Business:

Mein Ziel ist es, zukünftig generations- und branchenübergreifend auf diesen Kanälen Freiberufler*innen als Kundengruppe anzusprechen. Sie mit vielfältigen Impulsen neugierig auf Perspektivwechsel zu machen und auf ihrem Erfolgsweg durch meine Expertise als Coach und Unternehmensberaterin zu begleiten.

 

> Und wo liegt das Problem? Starte ab morgen einfach frisch auf allen Social-Media-Plattformen durch und duze ab jetzt einfach. Linkedin ist doch das neue Facebook und da war das so. Wer das nicht mag, braucht es ja auch nicht zu lesen, hören, anzuschauen. <

 

Sorry, aber Linkedin ist eine Business-Plattform und ich hoffe inständig, dass hier nicht die Katzen-Welpen-Urlaubsfotos von Facebook überschwappen!

 

In meinem Verständnis als Dienstleisterin ist es nicht an mir, ein „Du“ anzubieten. Wenn ich Präsenz-Workshops moderiere, dann obliegt es der Gruppe persönlich vor Ort. Zugegebenermaßen hat sich hier in den letzten Jahren über alle Altersklassen und Branchen etwas verändert und die Tendenz zum „Du“ nimmt zu. Das ist jedoch abhängig von vielen Faktoren, unter anderem der Unternehmensausrichtung.

 

In Beratungsaufträgen tausche ich auf Kund*innenwunsch das „Sie“ nach der Auftragsklärung mit der Geschäftsleitung gerne in ein „Du“, wenn die Unternehmenskultur so tickt. Allerdings nicht, ohne in den folgenden kick-off und Einzelgesprächen abzuklären, wie es mein Gegenüber situativ vorzieht. Als Externe komme ich in ein bestehendes System und das heißt nicht, dass ich automatisch eingereiht werden sollte. Manchmal ist es gerade in meiner Tätigkeit als Beraterin für die Beteiligten nutzenbringender, im sachlich-respektvollen „Sie“ zu kommunizieren.

 

Und was heißt das nun für die Social-Media-Strategie?

 

Durch meine Ausrichtung als spezialisierte Generalistin brauche ich mindestens drei gedankliche Schleifen mehr, um die On- und Offlinepräsenz in eine für mich gute Übereinstimmung zu bringen.

 

Interessante Beiträge für die neue Online-Zielgruppe der Freiberufler*innen so zu gestalten, dass sie mit meiner offline-Präsenz wunderbar schwingen und zeitgleich alle bisherigen Kund*innen, die mir lieb und teuer sind, nicht zu irritieren.

 

Mir kommen spontan mehrere Handlungsalternativen in den Sinn, die es abzuwägen gilt:

  1. Mit einem Blick auf medial sehr bekannte Vertriebskollegen generell auf eine Anrede in Blog oder Video zu verzichten, wobei diese Alternative auf mich sehr unpersönlich wirkt und deshalb nicht in Frage kommt.
  2. Will ich im Video locker wirken und Sie per „Du“ ansprechen derweil ich Dich im Blog per „Sie“ anschreibe? Und wie sieht es mit dem Podcast aus? Eine Differenzierung zwischen Blog, Podcast und Video klingt viel zu kompliziert. Die Zeit und Energie kann dem Inhalt der Beiträge besser dienen. 
  3. Soll ich es mir durchgängig einfach machen und das kollegiale „Du“ wählen? Als Freiberuflerin bewege ich mich ja in meiner gewählten medialen Zielgruppe unter Gleichgesinnten und auf Augenhöhe.

Vielleicht werde ich schwuppdiwupp Influencerin und probiere es mit dem englischen „you“, das sowohl für „Du“ als auch „Sie“ stehen kann? Wir haben so viele Anglizismen in unsere Sprache integriert… Es ist wunderbar neutral. Aus meiner langjährigen Erfahrung im multinationalen Konzern war es oft hilfreich, um sich nicht bei jeder Mail oder Videokonferenz den Kopf über Hierarchien und Konventionen zerbrechen zu müssen.

 

Wichtig ist und bleibt der Inhalt, die Aussagefähigkeit der Information und nicht zu vergessen der Ton, der zwischen den Zeilen mitschwingt. Das spricht jetzt ja schon fast dafür, nicht zu bloggen, sondern in Video und Podcast die (Körper)sprache zu nutzen.

 

Thank you Rezo. You hast dafür gesorgt, dass ich ab morgen das „Du“ verbunden mit Höflichkeit, Respekt und Wertschätzung auf diesen Kanälen nutze und darauf vertraue, dass es auch von anderen so verstanden wird.

 

Mit meiner Entscheidung ist nicht gemeint, dass ich demnächst auch mir unbekannte Menschen zwecks Vernetzung einfach per “Du“ anschreibe. Umgekehrt gab es in den letzten Wochen verstärkte Anfragen auf mein Profil und sie fingen mit „Hallo Silke, du brauchst genau mein Produkt, meinen Kontakt für mehr Erfolg etc….“ an. Ich überlege, was mich mehr stört. Die Anrede oder diese Gießkannen-Texte, in denen in keiner Weise vorab mal in mein Profil oder auf die Homepage geschaut wurde, um wirklich interessantes anzubieten.

 

Klingt es nun wie ein Widerspruch an sich, gleichzeitig meine Blogs mit „Du“ zu adressieren? Aus meiner Sicht nicht, denn die Blogs werden als Content zur Verfügung gestellt und von Interessent*innen eigenverantwortlich abgerufen. Eine Kontaktanfrage hingegen erreicht die andere Person immer direkt, persönlich und auf dieser Plattform im Business-Kontext.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein weiterhin erfolgreiches Netzwerken und nutzvollen Content.

Yours,

Silke

 

P.S. Du willst weitere Impulse zum Perspektivwechsel erhalten? Dann melde dich gerne über diesen Button an und Die Sales Manufaktur informiert dich dann in unregelmäßigen Zeitabständen über neue Beiträge für mehr Leichtigkeit als Freiberufler*in.