Sind Sie nicht zu alt, um sich selbstständig zu machen?

Gehören Sie auch zu den „Ü40 bis kurz vor der Rente“?

 

Machen Sie sich nach vielen Jahren als Familienmanager*in, aufgrund einer Umstrukturierung in Ihrer alten Firma oder aus anderen Gründen auf die Suche nach neuen Perspektiven?

 

Oder kennen Sie diese Frage nur zu gut aus Ihrer Startzeit in die Selbstständigkeit?

 

Die Frage geht meist nicht spurlos an einem vorbei. Sie kann nachdenklich machen, Selbstzweifel schüren, Kreativität anstoßen und das Selbstbewusstsein durch einen einprägsamen Elevator Pitch stärken.

 

Bei mir war es die Neugier auf das Ungewisse, noch mal das Ruder im Leben anders zu steuern und vor allem: selbst am Steuer zu stehen und auf Entdeckungsreise zu gehen!

 

Mein soziales Umfeld konnte damals nur zum Teil nachvollziehen, weshalb ich einen sicheren, gut dotierten und an sich auch interessanten Job als Projektspezialistin einfach so hinter mir lassen wollte. Inzwischen liegt mein Ausstieg 10 Jahre zurück.

 

Einfach habe ich es mir sicher nicht gemacht, denn es hieß loszulassen:

  • Kolleg*innen, mit denen ich zusammen gearbeitet, viel Lebenszeit und -themen geteilt habe
  • gewohnte Strukturen und Abläufe
  • bekannte Aufgabengebiete
  • langjährige Kunden, bei denen das aufgebaute Vertrauensverhältnis die ein oder andere Aufgabe vereinfachte
  • soziale Absicherung im Krankheitsfall, bei Arbeitslosigkeit, im Alter
  • die Sicherheit, dass jeden Monat das gleiche Einkommen auf mein Konto eingeht, um die Lebenshaltung und besondere Ausgaben planen zu können.

Loszulassen schafft bekanntlich Platz. Und was bleiben soll bleibt auch über Jahre!
So auch die vertraute Verbindung mit manch Ex-Kolleg*in.

 Bei anderem habe ich Tabula rasa gemacht - Neuausrichtung auf vielen Ebenen:

  • Welche Kompetenzen bringe ich mit?
  • Was davon macht mir Spaß?
  • Wo sind meine Kund*innen?
  • Was brauchen sie und wo gibt es bei ihren Herzensthemen Schnittstellen?
  • Wie sieht mein Businessplan aus?
  • Welche Weiterbildung macht für mich selbst Sinn?

Zugegebenermaßen bringe ich als Diplom-Kauffrau eine Affinität zu Zahlen und Prozessabläufen mit, das machte mir die Businessplanerstellung leicht. Für juristische, steuerrechtliche und Fragen zum strategischen Marketing brauchte ich kollegiale Unterstützung. Zu der Zeit gab es auch erste Berührungspunkte mit Coaching. Damals war ich Klientin und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass diese Erfahrung mich 2014 dazu veranlasste, mich selbst als Coach ausbilden zu lassen. 

 

Ich bin 2010 mit einer vagen Idee in die Freiberuflichkeit gestartet, aus der sich inzwischen ein Portfolio von Beratung, Coaching und Training geformt hat. Es dauerte einige Jahre, bis dass ich dort ankam. Aber ich bereue keinen Tag, auch wenn ich in der Zeit rückblickend mein Selbstmanagement manchmal optimaler hätte gestalten können. Hätte, hätte, Fahrradkette….

 

Glaubenssätze und eingefahrene Denkmuster mussten erst einmal auf die Freiheit der Freiberuflichkeit getuned werden. Existenzängste und wertschätzende Kundenfeedbacks gaben sich in den ersten Jahren oft die Hand. Ein forderndes Wechselbad der Gefühle, doch das Durchhalten hat sich gelohnt!

 

Ich konnte ein wunderbares, vielschichtiges Netzwerk aufbauen, mit dem es Spaß macht, gemeinsame Projekte zu stemmen oder sich einfach mal bei einem Kaffee über dies und das auszutauschen.

 

Dem Wasser bin ich im bildhaften Vergleich treu geblieben. Im Laufe der Zeit wurde das Steuer zum Surfboard, denn damit verbinde ich mehr Spontanität und Leichtigkeit.

Mein Selbstverständnis gleicht nun dem einer Wellenreiter*in.
Ich lenke mein Business weniger nach vorgefertigten, vielfach schon befahrenen Karten, lasse mich stattdessen mehr auf das Unvorhersehbare ein, wobei sich auch Wellenbilder ein Stück weit deuten lassen. Es wird nie langweilig, denn das Meer ist jeden Tag anders, Wellen können überraschend eine Flaute ablösen, die dann wiederum einer noch größeren Welle Platz macht. Erfolgreich zu sein, heißt auf die eigene Kraft zu vertrauen, respektvoll-mutig ins kalte Wasser zu springen und die Wellen zu nutzen, wie sie kommen!

 

Dazu braucht es

  • den realistischen Blick für einen Spot, der meinem Können angepasst ist.
    Als Anfängerin direkt die Monsterwelle surfen zu wollen hat selten funktioniert und führte oft zu frühzeitiger Aufgabe bei Kolleg*innen.
  • die richtige Technik, um die Welle im richtigen Winkel zu nehmen.
  • ausreichend Geduld, damit nicht direkt nach der ersten Flaute die Selbstzweifel aus dem alten Leben eine derart laute Stimme bekommen, dass der Mut zur Freiberuflichkeit verstummt.
  • den Willen, sich auf das Lernen im kalten Wasser einzulassen.
  • Zeit, um die eigenen Körperbewegungen auf dem Brett in Balance zu bringen.
  • ab und an die Rückschau auf das, was schon geschafft wurde und stolz drauf zu sein!

Und genau da ruht aus meiner Sicht das Potential bei freiberuflichen Frauen über 40!

  • Sie kennen sich und ihre (körperlichen) Grenzen oft schon gut.
  • Sie haben vor Augen, was Sie nicht mehr wollen.
  • Sie bringen Lebenserfahrung mit, haben beruflich oder privat bewegende Zeiten auf offenem Meer durchgemacht und können schwimmen.
  • Sie kennen das Gefühl des erfrischend kalten Wassers und wissen auch, dass Sie nicht nonstop surfen müssen. Manchmal reicht es einfach, am Strand zu sitzen und die Gedanken auf Reisen zu schicken. Was war – was ist – was soll werden?

Auch wenn es sich nicht immer so anfühlen mag: die eigene Lebenszeit ist eine kostbare Ressource, die wir alle selbstbestimmt einsetzen. Egal an welchem Meer und mit welchem Surfbrett, hauptsache es passt zur Person.

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Spot, an dem es tolle Wellen und einen Strand zum Seele baumeln gibt.

 Ihre

Silke Görgens

 

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