„Nächstes Jahr mache ich eine Woche mehr Urlaub!“

Wie Sie in Ihrer Jahresplanung die Grundlage dazu schaffen

Wenn ich Freiberufler*innen coache, dann kommt dabei oft der Stress durch Zeitdruck auf den Tisch.

 

Sie balancieren zwischen Business und Privatleben; sie fühlen sich am Limit. Die Tätigkeit macht Spaß, die Entscheidung war richtig, der Mut hat sich eigentlich ausgezahlt… aber das Luftholen, Pausen machen fällt zunehmend schwerer.

 

Sie sind Solopreneur, Einzelkämpfer*in, Alleinunterhalter*in - also selbst und ständig?

Bei mir hat sich seit meinem Start in die Freiberuflichkeit (2010) meine Haltung zum Thema spürbar verändert. Ich habe lange im Zeitmanagement nach einem guten Weg gesucht:

zwischen Akquise, Durchführung von Aufträgen, Nachbereitung, Netzwerken, Bürokratie und Alltagstätigkeiten ausreichend Zeit auch für das Private und nicht zu vergessen (!) den Urlaub zu schaffen.

 

Unser Mindset spielt dabei eine meist unterschätzte und doch so wichtige Rolle! Wie halten Sie es mit Ihrer Auftrags- und Urlaubsplanung in diesem Jahr?

 

Gestatten Sie mir dazu einen bildhaften Vergleich:

  • Nehmen Sie alle Anfragen an? Wird schon irgendwie klappen. Besser jetzt direkt die Einnahmen generieren, denn wer weiss, wie es im nächsten Jahr wird? Gibt Ihnen ein gefüllter Kalender Sicherheit? Oder fühlen Sie sich manchmal wie der Hamster im Rad?
  • Sind Sie wie die Meeresschildkröte, die möglichst immer an den gleichen Strand zurück kehrt? Bauen Sie überwiegend auf wiederkehrende Stammkund*innen auf? Same procedure like last year – Die Herausforderungen, Tempi und Wege sind bekannt und somit Ihrerseits gut planbar?
  • Oder halten Sie es wie der Specht und suchen sich erst dann einen geeigneten Baum, der sich möglichst einfach zum Höhlenbau bearbeiten lässt, wenn die Zeit reif dafür ist? Fühlen Sie sich nicht an Orte oder Kund*innen gebunden? Zieht es Sie immer wieder weiter und Sie überlassen anderen Ihre Baumhöhle zur Nutzung?

Natürlich gibt es Mischformen in der Zeit- und Kalendergestaltung. Haben Sie Ihren Urlaub für dieses Jahr schon fest gebucht? Oder gehören Sie zu den Freiberufler*innen, die es spontan angehen?

 

Für mich hatte Freiberuflichkeit lange etwas mit purer Spontanität zu tun und dann habe ich mich gewundert, weshalb ich die Freiheit so wenig für Regenerationsphasen genutzt habe. Heimlich, still und leise für mich - absehbar für mein soziales Umfeld - wurde kurze Zeit nach Einstieg in die Freiberuflichkeit aus dem Specht ein Hamster, die gefüllten Kalenderseiten wägten mich in Sicherheit. Auf jeden Fall wusste ich, wo meine Zeit geblieben ist!

 

Ich konnte unterjährig durch ein verlängertes Wochenende hier oder die Karnevalsfluchtzeit ans Meer die innere Stimme beruhigen. War ja immer "spontan", na ja, zumindest kurzfristig, wenn im Kalender etwas Platz in Sichtweite kam. Und schließlich zeigen auch Studien, dass der Erholungsfaktor nicht unbedingt in Relation zur Anzahl der zusammenhängenden Urlaubstage steht. Vor allem dann nicht, wenn man drei Wochen verreist und Laptop oder Smartphone dabei hat. Nur mal eben die Mails checken und plötzlich ist man wieder voll im Geschehen. Tipp: Cal Newport bietet in seinem Buch "Digitaler Minimalismus" (Redline Verlag) hier einige Impulse zur Selbstreflexion.

 

Doch nun zurück zur Jahresplanung:

 

Das Jahr hat 365 Tage (2020 ist ein Schaltjahr und wir bekommen einen Tag geschenkt!).

Davon ziehen wir direkt 104 Tage als Wochenenden und die bundesdurchschnittliche Anzahl von Feiertagen (11 Tage, wobei sie auch aufs Wochenende fallen können) ab.

 

Somit bleiben 250 Tage, die verkauft, genutzt oder (un)bewusst vertrödelt werden können.

 

Wussten Sie, dass der gesetzliche Anspruch auf Mindesturlaub bei Angestellten 20 Tage (5/7-Woche) bzw. 24 Tage (6/7-Woche) beträgt? Hand aufs Herz: Geben Sie sich diese Zeit?

 

Was können Sie direkt tun?

 

1. Schauen Sie sich an, wie Sie die letzten 3 Jahre im Kalender unterwegs waren.

  • Wann gab es (freiwillige und krankheitsbedingte) Auszeiten?
  • Welche haben Ihnen gut getan?
  • Welche wichtigen, wiederkehrenden Privattermine gab es?

 2. Bearbeiten Sie Ihren Kalender:

  • Tragen Sie die Termine ein, die sich immer wiederholen (beruflich und privat).
  • Wählen Sie ad hoc Ihre Wunsch-„Freiwochen“ als zusammenhängende Zeiträume.
  • Ergänzen Sie diese mit Zeitinseln um Ostern, Weihnachten, Geburtstagen herum.

 3. Schauen Sie sich das Jahr an, zählen Sie, wie viele Tage Ihnen für den Job übrig
     bleiben und starten Sie zum Beispiel eine gezielte Akquise oder Weiterbildungsstrategie
     für diese Tage.

 

Durch diese strukturierte Vorgehensweise schaffen Sie sich Freiraum für kreative Zeitgestaltung. Sie sind Ihr*e eigene*r Chef*in! Sie entscheiden darüber, was mit Ihrer Lebens- und Arbeitszeit passiert und tragen zugleich die Konsequenzen. Genau deshalb habe ich mich selbstständig gemacht. Sie auch?

 

Wie funktioniert die Interaktion mit Kund*innen übers Jahr?

Da meine Kundschaft gerne Dienstag-Donnerstag Aufträge vergibt, verteile ich auf Montag und Freitag Einzeltermine, Coachings und die Schreibtischarbeit im Büro.

 

Und wenn Sie eine Anfrage erhalten, die sich nur in Ihren „Freiwochen“ erledigen lassen würde, dann gilt es abzuwägen:

  • Was ist Ihnen langfristig wichtig?
  • Wie definieren Sie Ihr Business-Modell?
  • Welchen Nutzen Sie versprechen Sie sich davon, dafür Ihre mögliche Urlaubs- und Regenerationszeit einzutauschen?

Geben Sie sich selbst etwas Zeit für eine bewusste Entscheidung. Und zu einer guten Planung gehört auch die Kontrolle, ob/wie es funktioniert hat. Setzen Sie sich ein konkretes Datum, an dem Sie überprüfen, ob die Planung passt oder anzupassen ist. Das funktioniert unterjährig ebenso wie zum nächsten Jahreswechsel.

 

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung und einen tollen Urlaub!!

Ihre Silke Görgens   

 

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